Im Sommer 2022 (Ende Juli bis Mitte August) ging es für unsere 5-köpfige Familie (3 Kinder im Alter von 12, 9 und 7 Jahren) auf Familienurlaub nach Südwestfrankreich in die Region Languedoc-Roussillon bzw. Okzitanien (der neue Name der Region seit dem 01.01.2016). Die Region erstreckt sich von der Grenze mit Spanien im Süden bis zur Provence im Norden. Wir haben entschieden, die doch recht weite Strecke von über 1.100 km von Brüssel aus mit dem Auto zu fahren. Dies ist durchaus machbar, wobei ich jedoch mindestens einen Übernachtungsstopp empfehlen kann. Alternativ gibt es auch die Möglichkeit, je nach Ausgangsort in die Region zu fliegen bzw. mit dem Zug zu fahren und vor Ort einen Mietwagen zu nehmen.
Carcassonne
Nachdem wir einen Übernachtungsstopp in Toulouse eingelegt hatten, besuchten wir am nächsten Morgen auf dem Weg zu unserem ersten richtigen Ferienort die mittelalterliche Stadt Carcassonne. Berühmt ist Carcassonne vor allem wegen seiner mittelalterlichen Festung, die auf einem Hügel oberhalb der Altstadt liegt und als „Cité“ bezeichnet wird. Die Cité ist sehr gut erhalten und wirklich einen Besuch wert, was die Auszeichnung als Weltkulturerbe der Unesco bestätigt.









Nachdem wir unser Auto auf einem der kostenpflichtigen Parkplätze direkt unmittelbar neben der Festung abgestellt hatten, begaben wir uns zu Fuß zur Festung. Vor Ort kann man im Tourismusbüro der Festung, welches gleich zu Beginn zu sehen ist, verschiedene kostenpflichtige Führungen, auch für Kinder, buchen (vgl. auch hier http://www.tourisme-carcassonne.fr). Wir entschieden uns dazu, die Festungsstadt zu Fuß zu erkunden, was unseren Kindern sehr gut gefallen hat. Vor Ort finden sich einige kleine Geschäfte, Cafés und Restaurants, aber auch vor allem einige tolle Aussichtsmöglichkeiten auf die Festung und auch die Altstadt. Im Anschluss sind wir noch zu Fuß Richtung Altstadt (ca. 5-10 Minuten) gelaufen. Dort findet man gleich in der ersten größeren Straße zahlreiche Restaurants, wo wir mit unseren Kindern zu Mittag gegessen haben.
Familien-Camping/Bungalow am Meer
Wenn man sich für einen Urlaub in Südfrankreich mit Kindern in der Region Okzitanien entscheidet und auch Tage direkt am Meer verbringen möchte, findet man relativ schnell heraus, dass die beste und vor allem kostengünstigste Unterkunft ein Campingplatz am Meer ist. Nachdem ich selbst recherchiert und mich bei Freunden umgehört hatte, bin ich auf den Campingplatz Le Palais de la Mer gestoßen. Dieser ist ein netter, recht grüner Platz mit einer Swimmingpool-Anlage mit 3 Rutschen direkt am Meer in Sainte-Marie-la-Mer. Wir hatten dort einen der feststehenden Bungalows mit einer Terrasse gemietet. Daneben bietet der Platz aber auch Stellplätze für Wohnwagen und Zelte.





Wir haben dort 2 Wochen verbracht. Einige Tage haben wir uns dort am Rande des Swimmingpools bzw. am Meer aufgehalten. Den Kindern wurde vor Ort auch eine stundenweise französischsprachige Animation angeboten. Abends gab es immer Kinderdisko und verschiedene Shows, die unsere Kinder sich gerne angeschaut haben. Zudem konnte man auf dem Campingplatz sogar mit einem kleinen Zug herumfahren und verschiedene Tiere (Ziegen, Lamas etc.) besuchen. An einigen Tagen haben wir zusammen mit unseren Kindern halbtägige Ausflüge unternommen. Dazu nun mehr…
Perpignan
Perpignan ist die nächstgrößere Stadt in der Nähe unseres Ferienortes gewesen und die Hauptstadt des Départements Pyrénées-Orientales in der Region Okzitanien. Die Stadt hat teilweise ein eher spanisches Stadtbild, was daher rührt, dass sie im 13. Jahrhundert die Hauptstadt des Königreichs Mallorca war. Wir haben mit unseren Kindern dort einen halben Tag verbracht. Als erstes besichtigten wir die etwas außerhalb der Altstadt gelegene ca. 1274 errichtete Festlandsresidenz der Könige von Mallorca, den Palais des Rois de Majorque. Später im 16. Jahrhundert wurde die Festung durch den Bau einer Zitadelle verstärkt. Der Besuch des Palasts lohnt sich, ist für Erwachsene kostenpflichtig und kostet ca. 7 Euro pro Person. Der Bau beeindruckt durch seinen spanisch-marokkanischen Baustil. Die Besichtigung führt durch die verschiedenene Räume des Palastes, die allerdings größtenreils ihrer früheren Ausstattung beraubt sind. Besonderes beeindruckend ist der Aufstieg auf den Turm, von dem man eine sehr gute Aussicht auf die Stadt von Perpignan hat.




Im Anschluss ging es für uns zu Fuß weiter Richtung Altstadt, in der es u.a. ein paar nette Geschäfte und ein Rathaus mit einem sehr schönen Innenhof zu besichtigen gibt. Des Weiteren haben wir uns noch von außen das Wahrzeichen Perpignans, das burgartige Schlosstor Castillet, angesehen, auf dem die Flagge von Katalonien weht. Zum Mittagessen waren wir in den „Les Halles Vauban“ essen, wo man an verschiedenen Ständen verschiedene Spezialitäten (von Pizza, Fisch bis hin zu spanischen Tapas) kaufen und im Anschluss im Innenhof essen kann. Zum Abschluss waren wir noch kurz im recht einfach gehaltenen Café auf der Dachterrasse des Einkaufshauses „Galerie Lafayette„, von der man allerdings einen sehr schönen Ausblick auf die Altstadt und den Königspalast hat.




Olivenöl, Weinprobe und frische Austern
Ein weiterer halbtägiger Ausflug mit den Kindern führte uns zunächst zu einem Olivenölhersteller und zwar zu Moulin Saint Pierre in Millas, was etwas im Landesinneren liegt. Dort hatten wir zunächst die Gelegenheit mit den Kindern einer ca. 10 minütigen Führung der Olivenölmühle beizuwohnen, im Rahmen derer die einzelnen Schritte von der Olivenernte bis zur Herstellung des Olivenöls erklärt wurden (allerdings auf Französisch!). Im Anschluss konnte man die aus grünen Oliven hergestellten Olivenöle vor Ort verkosten und auch im kleinen Laden vor Ort käuflich erwerben. Das fanden unsere Kinder durchaus interessant!


Danach ging es für uns weiter in Richtung Berge und zwar zum Weingut Domaine des Chenes, wo wir zuvor telefonisch einen Termin für eine Weinprobe ausgemacht hatten. In der gesamten Region gibt es an vielen Orten Winzer mit teilweise sehr guten Weinen. Wir wollten dies daher auch austesten und probierten vor Ort verschiedene Rot- und Weißweine, welche natürlich auch vor Ort käuflich erworben werden können. Unser ältestes Kind (12 Jahre) testete ebenfalls mit ein paar Schlücken einige Weine, was ihm ordentlich Spaß bereitete. Neben den Weinen hat uns vor allem die bergige Landschaft bei dem Ausflug gefallen, was einen guten Kontrast zu unserem Ferienort am Meer bildete.


Zum Abschluss des Tages und für das Abendessen fuhren wir im Anschluss ca. 30 Minuten vom Weingut nach Leucate an den Strand. Dort gibt es an einer Stelle einige kleine Hütten/einfache Restaurants, in denen man zu sehr guten Preisen frische Gambas, Austern und Muscheln verzehren kann. Allerdings gibt es als Beilage dazu nur Brot mit Aioli, was dazu führte, dass eines unserer Kinder ausschließlich dieses aß, weil es weder Gambas noch Austern mag. Dennoch kann ich es wirklich empfehlen, dort einmal hinzufahren, da es sehr authentisch ist und man wirklich sehr gute Meeresfrüchte essen kann!


Fahrt entlang der Küste Richtung Spanien und Collioure
An einem weiteren Urlaubstag entschlossen wir uns, nachmittags eine Fahrt entlang der Küste Richtung Spanien zu unternehmen und einen Stopp in Collioure für ein Abendessen zu machen. Auf der Hinfahrt fuhren wir zunächst an dem bei Touristen sehr bekannten Ort Collioure vorbei, um zur serpinenartigen Küstenstraße Richtung Spanien zu gelangen. Diese führt an einigen kleinen Orten vorbei, bis man die Grenze zur Spanien erreicht. Wir machten hinter dem Ort Banyules-sur-Mer noch vor Cerbère einen etwas längeren Halt an einem der sehr schönen Aussichtspunkte, von wo man einen sehr guten Ausblick über die Küstenlandschaft hat. Allerdings waren an diesem Tag einige Wolken zugegen, da sie sich auf dieser Höhe gerne in den Bergen festsetzen.

Da unsere Kinder danach nicht mehr viel Lust dazu hatten, noch lange im Auto zu sitzen, beschlossen wir für einen nächsten Stopp, nicht weiter Richtung Spanien zu fahren, sondern zum nahe gelegenen Ort Banyuls-sur-Mer zurückzufahren. Dort gibt es einen steinigen Strand und sehr viele Eisdielen mit leckerem Eis.

Danach ging es weiter zur Stadt Collioure, die als eine der schönsten Städte Frankreichs bekannt ist. Dies vor allem deshalb, weil Anfang des 20. Jh. die Maler Matisse und Derain dort einige Zeit verbracht und Bilder mit Motiven der Stadt gemalt haben. Der Ort ist recht touristisch angehaucht und es ist wirklich schwer, angesichts der vielen Touristen vor Ort einen Parkplatz zu finden. Dennoch hat uns allen der Ort gut gefallen. Nachdem wir mit etwas Mühe einen Parkplatz gefunden hatten, haben wir entlang der Küste und des Strandes einen Spaziergang gemacht. Von jeder Seite des Ortes hat man einen pittoresken Ausblick entweder auf das Meer, auf die durch die Maler bekannte Pfarrkirche, auf ein Schloss oder auch auf die oberhalb der Bucht gelegene Festung Fort St-Elme, welche man auch besichtigen kann. Wir haben den Ausflug durch ein sehr gelungenes Abendessen in dem direkt in der Bucht gelegenen Restaurant L’Amphytrion abgeschlossen. Dort gibt es vor allem Fischgerichte, aber auch Pizzen und ein Kindermenü. Wir hatten zuvor einen Tisch für uns 5 reserviert, was auch notwendig war.




Zweite Ferienunterkunft: Unterbringung in einem historischen Postgebäude inmitten des Dreiecks Avignon-Nîmes-Uzès
Die letzte unser drei Ferienwochen haben wir in der traumhaften Domaine des Escaunes verbracht. Dies ist ein wunderschönes Anwesen am Rande des Dorfes Sernhac inmitten des Dreiecks Avignon-Nîmes-Uzès, welches aus einem historischen Postgebäude entwickelt worden ist. Die Anlage hat 22 Zimmer und einen sehr schönen Swimmingpool in einem wundervoll angelegten Garten. Wir haben die Unterkunft über den Familienreiseanbieter Vamos-Reisen gebucht, der im Sommer alle Zimmer der Anlage reserviert. Dadurch waren natürlich auch viele andere Kinder vor Ort. Zudem wurde außer an einem Tag eine stundenweise Kinderbetreuung seitens Vamos angeboten, so dass alle anwesenden Kinder sich schnell gefunden haben und schon nach kurzer Zeit eine eingespielte Gemeinschaft waren. So wurde z.B. auch abends nach dem Abendessen gemeinsam im Garten noch Fussball gespielt. Wir alle haben diese Woche und das sehr gute Essen (es wurde Halbpension angeboten) genossen!




Nîmes
Empfohlen wird die Domaine des Escaunes als idealer Ausgangspunkt für Familien, die eine Mischung aus Kultur und Entspannung suchen. Und tatsächlich haben wir in dieser einen Woche teilweise einfach nur am Rande des Pools gelegen, aber auch einige Ausflüge in die Umgebung unternommen. Unser erster halbtägiger Ausflug führte uns nach Nîmes, welches ca. 30 Minunten mit dem Auto von unserer Unterkunft zu erreichen war. Nimes diente vor langer Zeit als Außenposten des Römischen Reiches und aus diesem Grunde kann man noch heute gut erhaltene Bauwerke aus dieser Zeit in der Stadt bewundern! Wir haben uns mit unseren Kindern, nachdem wir das Auto am Rande der Altstadt abgestellt hatten, auf zwei der Sehenswürdigkeiten konzentriert: 1) Maison Carrée (Tempel) und 2) Arènes (zweistöckiges Amphitheater). Die Maison Carrée haben wir von außen bewundert. Das Amphitheater haben wir auch von Innen besichtigt, was ich durchaus empfehlen kann. Gegen die Gebühr von ca. 20 Euro für eine Familienkarte kann man sich die verschiedenen Ebenen des Amphitheaters in Begleitung eines Audioguide anschauen.






Kanufahrt zum Pont du Gard
An einem weiteren Tag nahmen wir an einer von Vamos organisierten Kanutour auf dem Gardon teil. So ging es für uns an einem Morgen gegen 10 Uhr los zu einem Kanuverleih in der Nähe unserer Unterkunft (ca. 10 Minuten mit dem Auto entfernt). Nachdem wir dort unsere Tickets gekauft hatten (ca. 90 Euro für uns 5), brachte uns ein Bus des Kanuverleihs zu einer Einstiegsstelle am Gardon, von wo aus wir neben weiteren Vamos-Gästen mit einem 2er und 3er Kanu starteten. Die Kanutour dauerte insgesamt ca. 2,5 Stunden bis zur Endstelle des Kanuverleihs. Zwischendurch kann man beliebig stoppen, um zu baden. Absolutes Muss ist natürlich ein Halt vor dem Pont du Gard, welche zum Weltkulturerbe gehört! Dort kann man schwimmen oder, wer möchte, vom Felsen springen. Insgesamt fanden wir die Kanutour super.


Uzès
Am Mittwochmorgen unserer letzten Woche sind wir ohne unsere Kinder (die währenddessen von der Vamos-Kinderbetreuung im Rahmen eines Römertages umsorgt wurden) zur mittelalterlichen Kleinstadt Uzès aufgebrochen. Dort gibt es jeweils mittwochs und samstags am Vormittag auf dem Place aux Herbes einen Markt, wobei der Markt am Mittwoch kleiner und auf Lebensmittel beschränkt ist. Uns hat der Markt am Mittwoch gut gefallen und wir haben uns mit lokalen Produkten, wie Olivenöl und Honig, eingedeckt. Im Anschluss haben wir direkt am Place aux Herbes in dem Restaurant „Les Terroirs„ zu Mittag gegessen, welches wir unbedingt weiter empfehlen können. Wir hatten zuvor am selben Tag einen Tisch reserviert, was auch notwendig war. Zu essen gibt es dort relativ einfache Teller, die mit köstlichen lokalen Produkten zubereitet werden. Den Abschluss unseres Besuches von Uzès bildete ein kleiner Spaziergang durch die Gassen der Altstadt. Noch ein Hinweis: Wenn man wie wir erst gegen 11 Uhr nach Uzès reinkommt, ist es nicht ganz einfach, einen Parkplatz zu finden. Geduld ist gefragt oder ein wenig früher kommen!



Avignon
Unser letzter Ausflug führte uns zusammen mit den Kindern an einem Nachmittag nach Avignon, welches von unserer Unterkunft in ca. 30 Minunten mit dem Auto zu erreichen war. Avignon gehört bereits zur Region der Provence im Südosten Frankreichs und liegt direkt an dem Fluss „Rhone„. Von 1309 bis 1377 war die Stadt Sitz der katholischen Päpste, wovon noch heute der imposante Papstpalast, Palais des Papes, zeugt. Auf Tipp unserer Gastgeber stellten wir unser Auto auf dem kostenlosen Parkplatz des Restaurants Le Bercail ab, welches direkt am Rhoneufer gegenüber dem Papstpalast in Avignon liegt. In dem Restaurant wollten wir abends nach Besichtigung des Papstpalastes essen, weswegen wir dort bereits zwei Tage zuvor einen Tisch reserviert hatten. Fast direkt neben dem Parkplatz des Restaurants findet sich die Bootsanlegestelle der Stadt Avignon, von wo aus ein kostenloser regelmäßiger Schiffsshuttle Besucher von der einen Seite des Rhoneufers zur anderen Uferseite bringt. Diesen Schiffsshuttle nutzten wir, um zur Altstadt von Avignon und zum Papstpalast zu gelangen. Toll für die Kinder war natürlich die, wenn auch kurze, Schiffsfahrt und der Blick auf die Pont d’Avignon, die unseren Kindern aus französischen Kinderliedern bekannt ist.




Nachdem wir auf der anderen Rhoneseite unterhalb des Papstpalastes angekommen waren, begaben wir uns zu Fuß zum Eingang des Papstpalastes. Auf dem Weg dorthin lässt sich gut ein Halt bei einer der vielen Eisdielen einplanen, so dass die Kinder gut gestärkt die Besichtigung des Palastes starten können. Wir hatten zuvor im Internet Tickets für die Besichtigung reserviert; man kann aber auch noch vor Ort Tickets erwerben. Zu Beginn der Besichtigung kann man – ohne weiteren Aufpreis- sog. Histopads erhalten, welche einen digital bei der Besichtigung des Palastes begleiten. Diese sind absolut empfehlenswert, da dadurch die Kinder viel Spaß bei der Besichtigung haben. Denn das Histopad bietet u.a. die Funktion, digitale Schätze in den verschiedenen Räumen des Palastes zu finden. Etwas schade war, dass die Histopads erst ab einem Alter von 8 Jahren erhältlich sind, so dass unsere Kleinste nicht versorgt wurde und ein Elternteil sein Pad an sie abgeben musste. Insgesamt haben wir ca. 90 Minuten im Papstpalast verbracht. Im Anschluss haben wir noch einen kleinen Spaziergang durch die Altstadt von Avignon unternommen, bevor es für uns mit dem Schiffsshuttle zurück zum Restaurant Le Bercail ging. Dort hatten wir einen sehr schönen Tisch direkt am Ufer mit Blick auf die Brücke von Avignon! Herrlich!
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